Bewohnergärten

Wert und Wirkung der Gärten
Stand zu Beginn der Initiative das aktive Mitgestalten des öffentlichen Raumes durch die Bewohner im Rahmen gemeinschaftsfördernder Aktivitäten im Vordergrund, so zeigten die Gärten bald, wie sie auch verschiedenen anderen Bedürfnissen und neuen Zielen gerecht werden:
Neben einer verbesserten Lebenssituation in Bezug auf Gesundheit, Freizeit und Erholung und dem bedeutenden wirtschaftlichen Vorteil der Selbstversorger, ist inzwischen
der Aspekt der interkulturellen Kommunikation und die integrierende Wirkung der Gärten für Migranten ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt.
Im selben Zusammenhang bieten die Gartenprojekte eine breite, längerfristige Basis auch für die Einbindung der Umweltthematik. Umweltbewusstsein und –verhalten sind kulturell unterschiedlich ausgeprägt und geraten im Gemeinschaftsgarten ins gemeinsame Blickfeld.
Die Mitgliedschaft im Netzwerk interkultureller Gärten der Stiftung Interkultur bringt dem Projekt unterstützende Beratung und ein spannender Austausch mit anderen, ähnlichen Gartenprojekten.

Der interkulturelle Gemeinschaftsgarten
am Oskar-Maria-Graf-Ring
  • Gegründet 1991, seither jährlich gewachsen
  • 51 Teilnehmer bzw. Familien aus 11 versch. Herkunftsländern (Deutschland, Türkei, Vietnam, Italien, Griechenland, Kosovo, Syrien, Ungarn, Serbien, Rumänien, Tschechien, Polen, Ukraine)
  • ein Teilnehmer kann maximal 3 Beete á 10 qm bewirtschaften
  • auf insgesamt 3850 qm städt. Fläche
  • Gartensprechstunde 1x pro Woche, dienstags ab 17 Uhr


My Home is My Garden
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Der interkulturelle Spagat – Von der Schwierigkeit, kulturelle Eigenheiten zuzulassen und gleichzeitig öffentlich geforderte Vorschriften einzuhalten
Viele Bewohner in Neuperlach stammen aus landwirtschaftlich geprägten Gegenden und bringen Erfahrung im gartenbaulichen Bereich mit. Ihr Garten hier in Deutschland ist »nur für den Spaß«, wie sie erklären, aber er begleitet und erleichtert ihnen das Einleben in den neuen Alltag.
Die Pflanzen und die gärtnerischen Arbeitsweisen sind Spuren verschiedener Kulturen; indem sie hier in Erscheinung treten, ermöglichen sie Selbstdarstellung und Identifikation, gleichzeitig gegenseitiges Lernen und Verständnis. Der Garten ist »interkulturell geöffnet«, in ihm werden Traditionen gelebt. Das erklärt auch die immer noch sehr große Nachfrage nach einem Gartenstück: Den Interessenten geht es nicht nur um den Gemüseanbau, der Garten ist darüber hinaus ein Stück Heimat.
Die traditionellen Gewohnheiten und Eigenarten sind manchmal auch Ursprung von Auseinandersetzungen. Z.B. stößt das Grillen im Sommer bei einigen Mitgliedern auf Widerstand, oder auch die provisorische, aber praktische und kostensparende Bauweise von Gartenzäunen und Regenunterständen. Es entsteht immer wieder Diskussionsbedarf, wie ein Garten auszusehen hat, wie viel Gestaltungsfreiheit der einzelne bekommt.
Nach dem Motto
»My Home is My Garden« ist die Eigenverantwortlichkeit eben ein bedeutender Aspekt für die Nutzer. So müssen Bedürfnisse und Regeln immer wieder gemeinsam ausgehandelt werden.

My Home is My Garden...
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Im Schaugarten innerhalb des Bewohnergartens wurden letztes Jahr zum 850-Jahrfest Münchens verschiedene alte Getreidearten und weitere wichtige Nutzpflanzen, die man bereits im Mittelalter kannte, angepflanzt und beschriftet. Die Gartenmitglieder waren an den Pflegearbeiten beteiligt und kamen über dieses Thema ins Gespräch, indem sie sich an die Kultur- und Verarbeitungsmethoden der Pflanzen in ihren Heimatländern erinnerten.

Feste im ZAK Garten
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Die Jahrestagung des Netzwerks der Interkulturellen Gärten fand dieses Jahr unter dem Motto „Gesundheit und Ernährung - die Interkulturellen Gärten als ressourcenorientierte Räume“ vom 13. - 15. Juni in München statt. Die ca. 100 Tagungsgäste besuchten auch den Neuperlacher Bewohnergarten, begrüß von Stadtrat Yasar Fincan konnte man sich hier bei einem vielfältigen kulinarischen Angebot am Lagerfeuer kennenlernen und austauschen. Die GärtnerInnen organisierten das Fest mit viel Engagement, es war ein Highlight des Gartensommers.